Von deiner eigenen Stimme geht eine positive oder eine negative Wirkung auf andere Menschen aus. Diese Tatsache ist allerdings den wenigsten bewusst.
Wie in meinem ersten Artikel bereits dargelegt, hängt erfolgreiches Sprechen nur zu 7% vom Inhalt ab, aber zu über 38% von der Stimme und dem Stimmklang.
Deine Stimme hat also einen enormen Einfluss darauf, wie du von anderen wahrgenommen wirst.
Durch unsere Stimme vermitteln wir dem Gegenüber unsere gesamte Persönlichkeit. Stimme und Ausstrahlung hängen untrennbar miteinander zusammen und dies ist für den ersten Eindruck, den man bei einem Menschen erzeugt, fast ausnahmslos entscheidend.
Für eine sinnliche und erotische Ausstrahlung sind Stimmklang, Haltung, Körpersprache und Artikulation unabdingbar. Nicht umsonst sprechen in der Radio- und TV-Werbung die Darsteller und Off-Ton Sprecher mit einer sanften und verführerischen Stimme, wogegen ein betrunkener und aggressiv grölender Fußballfan in der Regel ein ziemlich unangenehmes Gefühl im Magen auslöst.
Warum ist es nun so, dass die eigene Stimme mein eigenes tatsächliches Empfinden verrät?
Gefühle und Gedanken verändern den Klang der Stimme unmittelbar. Stell dir mal die folgende Situation vor: Du erwartest Besuch von einer wunderschönen Frau oder deiner Freundin, in deinem Inneren bist du voller Vorfreude und exzellenter Laune. Deine Stimme klingt entspannt und mit gutem Vibe.
Die Freundin klingelt an der Haustür, du gehst runter um ihr persönlich die Tür zu öffnen und dabei schaust du noch kurz in den Briefkasten. Dort entdeckst du einen Mahnbrief von der Vollstreckungsstelle. Wirst du die Frau in diesem Moment noch freudig begrüßen können? Wahrscheinlich ist, dass deine Stimme einen Unterton von Angst oder Wut übermittelt obwohl du diese Gefühle in diesem Augenblick überhaupt nicht brauchen kannst.
Das Besondere an der Stimme ist, dass fast alles an Gefühlen und Gedanken hör-, und spürbar wird, ob wir wollen oder nicht. Schau dir mal probeweise einen Film mit guten Schauspielern in einer dir fremden Sprache an. Obwohl du vom Inhalt kein Wort verstehst, wirst du in der Lage sein, das Wichtigste der Kommunikation der Darsteller mitzubekommen.
Dein Gehirn wird die mit der Stimme, dem Stimmklang und der Körpersprache verbundenen Gefühle der Sprechenden unbewusst richtig interpretieren (7% versus 38%!).
Anderes Beispiel: In einer billig produzierten Gerichtsshow oder Soap mit Laiendarstellern siehst du vielleicht eine Szene, wo ein Mann zu einer Frau voller Inbrunst sagt: „Ich liebe dich!“. Aber irgendwie kannst du ihm diese Aussage gefühlsmäßig nicht glauben. Warum? Weil der Laiendarsteller in diesem Moment nicht mit einem echten Emotion dabei ist, sondern vielleicht eher an die Currywurst denkt, die er nach dieser Szene verspeisen wird.
Nicht umsonst werden Lügendetektoren in vielen Ländern als Beweismittel vor Gericht zugelassen, da die Stimme ein nahezu fälschungssicheres System von Wahrheit oder Unwahrheit darstellt.
Warum beeinflusse ich mit meiner Stimme und den darin enthaltenen Gefühlen und Gedanken die Gefühlswelt meines Gegenübers?
Sicher kennst du aus eigener Erfahrung klassische Situationen, in denen du durch die Stimme des Redners gefühlsmäßig stark beeinflusst worden bist: In einer Gruppe gähnt ein Teilnehmer ausgiebig mit dem Effekt, dass bald die ganze Gruppe einschlafen könnte. Ein Redner spricht mit einer nervösen oder angespannten Stimme vor seinem Publikum. Die Zuhörenden werden ebenfalls unruhig oder fühlen sich gleichermaßen unwohl. Ein Handyverkäufer spricht zu dir mit einer sympathischen und entspannten Stimme. Du fühlst dich ebenfalls wohl und ehe du dich versiehst, hast du einen neuen und überteuerten Mobilfunkvertrag unterschrieben, den du in dieser Ausführung so vielleicht gar nicht wolltest.
Menschen stecken mit ihrer Stimme, Stimmklang und Körpersprache andere Menschen emotional an, ob sie gerade wollen oder nicht. Schuld daran ist unser Gehirn, welches Gefühle und Stimmungen von anderen durch die sog. „Spiegelneuronen“ innerlich nachvollzieht und „spiegelt“.
Es handelt sich hierbei um Nervenzellen, welche die gleichen Potentiale produzieren, wie bei der auslösenden Person. Die Bedeutung dieses Vorganges ist in der Evolution des Menschen zu finden: Nur in der Gruppe waren die frühen Menschen überlebensfähig, daher war es extrem wichtig, dass Informationen und die richtigen Verhaltensweisen sehr schnell und ohne Verzögerung übertragen und umgesetzt werden konnten.
Seit Beginn der Menschheit sind wir in der Lage, Gefahren zu erkennen und können vorausahnen, was passieren wird. Die Fähigkeit, die Körpersprache, Laute und Signale der anderen richtig zu deuten und in der Gruppe unmittelbar gleich-geschaltet zu handeln, war überlebenswichtig.
Allgemein gilt also: Stimme und Stimmung steckt an!
Wie man eine innere positive Einstellung erhält, darüber gibt es bereits unzählige gute Artikel über das berühmte „Inner Game“ oder allgemein über positives Denken. Ich will mich an dieser Stelle auf das Thema Stimme beschränken. Viele der Leser werden jetzt denken „Das ist ja schön und gut, dass ich nun weiß, dass ich mit einer positiven Stimmung und der daraus resultierenden anziehenden Stimme den anderen und insbesondere eine Frau bei der Verführung in einen angenehmen Zustand versetzen kann. Aber:
Was kann ich tun, damit evtl. vorhandene „negative“ Emotionen und Ge-danken, z. b. Nervosität, nicht so stark hör-, und spürbar sind?
Der Haken an der Sache ist, wenn du deine vielleicht gerade vorhandenen nega-tiven Gefühle unterdrücken oder verbergen willst, erreichst du normalerweise genau das Gegenteil: Dein Gegenüber nimmt zumindest unterbewusst wahr, dass du ihm etwas verbergen willst oder dass du nicht ehrlich bist.
Du wirkst in diesem Moment nicht authentisch und genau dies ist meist der Auslöser für das Scheitern bei einer Verführungssituation. Meine Empfehlung für eine solchen Moment ist einfach: Es ist wesentlich besser, bestimmte Empfindungen oder Gefühle gezielt anzusprechen. Beispiel:
„Ich fühle mich vielleicht gerade etwas unsicher, aber dir in diesem Moment in die Augen zu schauen, lässt mein Herz höher schlagen…“
So zeigst du deinem Gegenüber, dass du wahrnimmst, was gerade passiert und dass du ihm gegenüber ehrlich bist, also authentisch, statt ein unerotisches Lü-gengespinst vorgaukeln zu wollen. Deine Stimme wird es dir unmittelbar danken und mit sofortiger Entspanntheit reagieren.
Was kann ich sonst noch tun, um meine Stimme bei plötzlich auftretenden „ungünstigen“ Stimmungsschwankungen „positiv“ zu beeinflussen?
Eine Methode, die bestimmte emotionale Zustände und Gefühle sofort und unmittelbar zu 100% beseitigt, gibt es nicht. Zum Glück, den ansonsten wären wir Maschinen, die man per Knopfdruck steuern kann. Was du aber tun kannst, ist deine Stimme durch Stimmtraining fit zu machen und fit zu halten.
Eine ausgebildete Stimme ist weitaus eher in der Lage, plötzlich auftretende Stimmungs-wechsel abzufedern. So verkürzen z. B. Unruhe und Nervosität den Atemweg. Die eingeatmete Luft kommt nur bis zum Brustraum und es wird dadurch ein Überdruck erzeugt, welcher die Kehle einengt (nervositätsbedingte Hochatmung).
Wenn eine Angst die Kehle zuschnürt oder eine große Nervosität im Körper ist, wird eine Stimme schnell hysterisch oder dünn und brüchig.
Es gilt: In der Ruhe liegt die Kraft. Eine trainierte Stimme wirkt u. a. dadurch souverän, dass die Atmung stets und in fast jeder Situation tief aus dem Bauch kommt.
Für eine untrainierte Stimme gibt es aber dennoch eine „Notfallroutine“: Wenn man merkt, dass die Stimme durch eine vorhandene Unruhe oder Stress plötzlich nach oben geht oder unsicher klingt, kannst man sich einfach sagen „Hey Stopp – runteratmen!“ und der Körper wird durch einige tiefe Atemzüge in den Bauch normalerweise sofort wesentlich ruhiger und entspannter.
Der Atem kann wieder frei strömen und die Stimme ihre Kraft entfalten.
Eine andere wirkungsvolle Methode ist eine gezielte Wahrnehmung von emotionalen Vorgängen im Körper: Wenn du bemerkst, dass „negative“ Gefühle wie Wut oder Ärger in dir aufsteigen, frage dich einfach, wo das momentane Gefühl im Körper am stärksten wahrnehmbar ist.
Lege dann deine flache Hand auf diese Stelle. Niemand wird dem besondere Beachtung schenken. Spüre in dich hinein. Was fühlst du? Ist es eine hektische Atmung in der Brust? Zieht sich gerade dein Magen zusammen? Beginnst du zu schwitzen an der Stirn?
Alleine durch deine Berührung wird sich die körperliche Spannung langsam lösen und du kannst die Emotion wieder in den Griff bekommen.
Du kannst dich später auch fragen, woher kommt dieses Gefühl und tritt es immer wieder in ganz bestimmten Situationen auf? Welche Bedürfnisse oder Wünsche liegen hinter dieser Wut oder Nervosität oder Traurigkeit? Kann ich irgendwelche kleine konstruktive Schritte machen, welche zur Lösung eines vielleicht vorhandenen Konfliktes beitragen?
Mit Hilfe dieser Methoden kannst du in bestimmten unangenehmen Situationen deine selbstbestimmte Handlungsfähigkeit wieder herstellen und die Stimme wieder in einen ausgewogenen Zustand bringen.
In der voraussichtlich nächsten Ausgabe werde ich euch über weitere spannende Hintergründe über die Stimme schreiben. Ich wünsche dir bis dahin viel Erfolg bei deinen Verführungs- und sonstigen Zielen und beende den Artikel mit einem meiner favorisierten Lebenssätze:
„Lachen ist gesund und auch ansteckend!“
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